Motorrad fahren für Anfänger - Tipps und Tricks


 
 

Wer eignet sich?

Motorradfahrer sind wie die Bezeichnung schon sagt Frauen und Männer die hauptsächlich Motorrad fahren. Hardliner und Puristen, die auch bei Regen und Schnee ihre Maschine einem Auto vorziehen.

Sogenannte Schönwetterfahrer oder Wochenendfahrer mit Saisonkennzeichen gehören also trotz Lederjacke mit Totenkopfaufnäher nicht dazu.

Da das Fahren eines Motorrades nicht sonderlich schwer ist, eignet sich jede kräftige Person, der Fahrtwind, Regen und Kälte nichts aus machen.
Aus gesetzlicher Sicht muss man in Deutschland zum Fahren eines Motorrades jedoch mindestens 16 bzw. 18 Jahre alt sein.
Wo wir schon gerade beim Gesetz sind noch der Hinweis, daß mit den Worten "Biker" oder zu deutsch "Motorradfahrer", selbstverständlich auch Frauen gemeint sind und diese dadurch nicht diskriminiert werden.

 
Was spricht dafür?

Die meisten Leute jeder Altersklasse entscheiden sich wegen des hohen Spaßfaktors dazu Motorrad zu fahren.

Es gibt jedoch noch viele weitere Gründe die für das Fahren eines Motorrades sprechen.

Sicher haben auch sie zum Beispiel schon einmal vergeblich nach einem Parkplatz für ihren PKW gesucht, oder standen in Stau.

Einen Abstellplatz für ein Motorrad findet man so gut wie immer, und vernünftige Polizisten dulden daß Motorradfahrer vorsichtig zwischen stehenden PKW weiter fahren.

Außerdem sind Motorräder vom Einfahrverbot in die Umweltzonen deutscher Großstädte ausgenommen.

Ein durchschnittliches Motorrad fährt ohne Atomstrom, günstiger, pünktlicher und flexibler als die öffentlichen Verkehrsmittel oder die Bahn und verbraucht bei höherer Geschwindigkeit weniger Treibstoff und stößt dadurch weniger Schadstoffe und Kohlendioxid CO2 aus als ein PKW gleicher Klasse.

Auch ist eine ältere Maschine weniger anspruchsvoll in der Wartung und zumindest für Fahrer ab 18 Jahren um bis zu 90% günstiger in der Haftpflichtversicherung, da im Falle eines Unfalles mit einem Motorrad nicht so viel Schaden angerichtet werden kann wie mit einem PKW gleicher Klasse (Fahranfänger zahlen für 27PS und 6000 km nur ca. 100 Euro pro Jahr für Haftpflicht).

Die Kfz-Steuer entspricht mit 1,84 Euro pro Jahr je angefangene 25 ccm der für PKW mit der Ausnahme daß es (zumindest noch) keine Unterschiede nach Euro Abgasnormen gibt. Für Krafträder bis 125 ccm müssen keine KFZ Steuern bezahlt werden.

 
Was spricht dagegen?

Motorräder werden von Autofahrern häufig beim Ausparken oder Überholen im toten Winkel übersehen. Auch unterschätzen Autofahrer leicht die Geschwindigkeit, mit der sich ein Motorrad nähern kann.

Da es bei einem Motorrad keine sogenannte Knautschzone und keine Airbags wie beim PKW gibt, ist der Fahrer eines Motorrades im Falle eines Unfalles einem wesentlich höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt. Motorrad fahren gillt jedoch bei den Lebensversicherungen nicht als Risikosportart.

Motorradfahrer werden häufig als Raser bestraft obwohl nur selten Gefahr besteht wenn diese mit ihren wendigen Maschinen an LKW angepaßte Geschwindigkeitsbeschränkungen leicht überschreiten.

Einige Straßen zum Beispiel vor Krankenhäusern sind zudem nachts für alle Motorräder gesperrt, obwohl zumindest moderne Motorräder deutlich leiser sind oder zumindest die gleichen Lärmemissionsvorschriften erfüllen wie moderne Autos. Gerechter währe eine Sperrung für Fahrzeugen abhängig von ihrer Lautstärke in Dezibel; einer Information die ansonsten im Fahrzeugschein nicht notwendig währe.

Für Leute die bereits Inhaber eines Autoführerscheins sind und denen es mehr auf den Spaß als auf die günstigere Versicherung ankommt, gibt es viele alternativen zum Kraftrad für die man keinen Motorradführerschein benötigt. Eine kleine Auswahl finden sie wenn sie hier klicken.

 
Es wird ernst

Wenn Sie sich in Deutschland für das Fahren eines Motorrades bzw. eines Motorrollers entschieden haben gilt es zunächst den Führerschein der Klasse A bzw. A1 zu bestehen.
Die Klasse A1 kann mit 16 Jahren erworben werden, berechtigt nur zum Fahren von Motorrädern und Motorrollern bis 125 ccm bei maximal 11 kW oder 15 PS, und war im 3er Autoführerschein bis zum 01.04.1980 bereits enthalten.
A1 Führerscheininhaber die ihr 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben müssen 125 ccm Maschinen auf 80 km/h drosseln, was die Versicherungskosten drastisch erhöht.

Inhaber eines neueren Autoführerscheins der Klasse B dürfen mit der enthaltenen Fahrerlaubnis der Klasse M lediglich Motorräder und Roller bis 50 ccm fahren. Solche Fahrzeuge dürfen nicht auf die Kraftfahrstraßen, kosten keine KFZ Steuern, benötigen lediglich ein Versicherungskennzeichen für ca. 60 Euro pro Jahr und müssen nicht zum TÜV. Der Fahrer ist für den verkehrssicheren Zustand seines Fahrzeuges selber verantwortlich.

Zum Erwerb einer Fahrerlaubnis der Klasse A müssen abhängig von bereits vorhandenen Fahrkenntnissen für die 14 Theoriestunden, die 12 Pflichtfahrstunden sowie für die Prüfungen und den TÜV ungefähr 1200.- Euro und 4 bis 8 Wochen einkalkuliert werden.

Die Theorieprüfung der PKW Fahrerlaubnis wird anerkannt, wenn diese weniger als ein halbes Jahr zurück liegt. Inhaber des A1 Führerscheins bekommen beim Erwerb der A Fahrerlaubnis einige Pflichtstunden erlassen.

Ein Motorradführerschein ist etwas teurer als der für einen PKW, da der Fahrlehrer in einem zweiten Fahrzeug mitfahren muss.

Falls Sie unter 25 Jahre alt sind bekommen Sie zunächst den Stufenführerschein A beschränkt, mit dem Sie nur Maschinen bis maximal 34 PS oder 25 kW bei mindestens 150 kg Gewicht fahren dürfen. Nach zwei Jahren oder wenn sie beim Erwerb des Führerscheins bereits älter sind, dürfen Sie jedoch ohne eine weitere Prüfung beliebig starke Maschinen fahren.

 
Die erste Maschine

Wenn Sie sich nicht schon zum Üben ein Motorrad gekauft haben, so dürfte dieses ihr nächster Schritt sein.
Da es jedoch sehr viele verschiedene Arten von Motorrädern gibt, haben Sie die Qual der Wahl:

1. Crosser leicht mit viel Federweg für Fahrten im Gelände.
2. Enduros mildere Crosser mit Licht und Straßenzulassung.
3. Reiseenduros bequem zum Reisen mit Gepäck auch auf Schotterwegen.
4. Tourer für schnelles Reisen mit Gepäck auf asphaltierten Straßen.
5. Nacked Bikes ohne Verkleidung gut für die Fahrt zur Arbeit ohne Schnickschnack.
6. Sportler für sehr schnelle Fahrten auf Rennstrecken gebaut.
7. Cruiser tief und breit für gemütliche Ausflüge auf der Landstraße.
8. Chopper mit langer Gabel, hohem Lenker, vorverlegten Fußrasten
und V2 Motor ausgerüstet.
9. Custom Bikes zu showzwecken individuell umgebaute Motorräder.

Viele Händler bieten neue oder gebrauchte Motorräder mit einem Jahr Gewährleistung auf Motorschäden an, die Sie vor bösen Überraschungen bewahren soll.
Gebrauchte Motorräder werden in Zeitungen oder im Internet angeboten. Ein Preisvergleich lohnt sich.
Aufgrund der geringeren Nachfrage sind diese im Herbst oder Winter günstiger zu haben als im Frühling.

Solange Sie jedoch nicht wissen worauf Sie beim Kauf eines Motorrades achten müssen, empfiehlt es sich in jedem Fall einen sachkundigen Bekannten zur Besichtigung und Probefahrt mit zu nehmen.
Außerdem sollten Sie ihren Führerschein und einen Personalausweis mitbringen, um diesen dem Verkäufer während der Probefahrt als Pfand zu hinterlassen.

 
Die wichtigsten Punkte

Neben dem optischen Eindruck wie Schleifsuhren die auf einen Unfall hin deuten oder dem Kaltstartverhalten, gibt es noch weitere Punkte die man relativ einfach überprüfen kann:


Fährt das Motorrad freihändig geradeaus?
Hat die Bremsscheibe Riefen? Sind die Bremsbeläge OK?
Sind Speichen rostig oder lose?
Haben die Radlager vorne und hinten seitliches Spiel?
Hat das Lenkkopflager leichte Rastpunkte?
Ist der Scheinwerferspiegel angelaufen?
Funktionieren Licht, Blinker und Bremslichtschalter?
Verriegelt das Lenkerschloss richtig?
Gibt es Zweitschlüssel auch für Koffer und Topcase?
Passt der Zündschlüssel zum Tank und Werkzeugfach?
Ist das Bordwerkzeug vorhanden?
Klemmt der Chokezug? Wie sehen die Kerzen aus?
Ist der Tank innen rostfrei?
Haben die Reifen überall noch mehr als 1,6 mm Profil?
Steht in den Papieren eine teure Reifen oder Markenbindung?
Ist das Windschild original, eingetragen oder mit ABE?
Wurden eventuelle Änderungen ohne ABE eingetragen?
Hat das Motorrad noch TÜV und AU (ab EZ1989 alle 2 Jahre fällig)?
Läßt sich die Kette weit vom Kettenrad abheben?
Ist die Kette ungleichmäßig gelängt?
Ist genug Öl im Motor? Wann wurde es gewechselt?
Drückt Öl aus den Motordichtungen?
Ist die Kompression in warmem Zustand gut?
Ist die Kühlflüssigkeit sauber und nicht zu voll?
Erreicht das Motorrad seine Höchstgeschwindigkeit?
Hat das Importfahrzeug einen Seitenständerschalter?
Für Österreich: Ist Verbandszeug vorhanden?
Für Italien: Hat der mitgelieferte Helm ein Prüfzeichen?

Nach dem Kauf ihres Motorrades müssen Sie mit einer "Doppelkarte" ihrer Versicherung, dem Fahrzeugbrief ihres Motorrades so wie ihrem Personalausweis zur KFZ Zulassungsstelle gehen, und das Motorrad zulassen.
Anschließend erhalten Sie den Fahrzeugschein und ein Kennzeichen (Weicheier erhalten ein Saisonkennzeichen).


Es geht los

Nach dem Sie nun so viele Hürden erfolgreich gemeistert haben ist es verständlich daß Sie sofort zu ihrer ersten Tour aufbrechen möchten.
Vorher sollten Sie jedoch noch folgendes beachten:
Es ist vor allem bei kaltem Wetter wichtig, das Motoröl mit niedriger Drehzahl langsam warm zu fahren, bevor sie richtig Gas geben.
Außerdem ist es vernünftig selbst an heißen Tagen abriebfeste Motorradklamotten mit Protektoren zu tragen. Schon hinter der nächsten Kurve könnte Streugut liegen.

 
Werterhaltung durch Wartung

Damit ein Motorrad zuverlässig funktioniert ist wie bei jedem anderen Fahrzeug auch eine regelmäßige Pflege und Wartung nötig.
Je nach Erfahrung kann man dabei zumindest bei älteren Maschinen mit Vergaser die meisten Dinge selber erledigen.

Um sich viel Ärger zu ersparen sollte man außerdem länderspezifische Vorschriften beachten.
So müssen zum Beispiel in Deutschland viele Änderungen am Motorrad vom TÜV abgenommen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden. Außerdem ist in Deutschland darauf zu achten daß das Reifenprofil beider Räder an keiner Stelle weniger als 1,6 mm beträgt.


Nach ungefähr 250 km oder einer Fahrt im Regen sollte die Kette geölt werden. Dabei sollte auch gleich die Spannung der Kette kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden.
Die Kette sollte je nach Motorradtyp zwischen 3 cm und 5 cm durchhängen können. Eine zu straffe Kette kann reißen und/oder den Motor beschädigen. Eine zu lockere Kette kann abspringen, und das Hinterrad blockieren.

Vor jeder größeren Ausfahrt sollte man die Bremsbeläge kontrollieren. Bei Scheibenbremsen verwendet man dazu am besten eine Taschenlampe. An einer Trommelbremse befindet sich meist ein Zeiger der bei gedrückter Bremse den Zustand der Bremsbeläge anzeigt.
Wenn Scheibenbremsen ohne erkennbaren Grund nicht richtig bremsen, muß die Bremsanlage eventuell entlüftet werden.
 
Mindestens einmal im Jahr oder alle 10.000 Strassenkilometer sollte man den Luftfilter reinigen und das Motoröl und den Ölfilter auswechseln.
 
Alle Angaben ohne Gewähr!