
Offroad fahren im Grenzgebiet Italien und Frankreich

Während für viele Leute die Motorradsaison bereits zu Ende war, zog es mich Ende Oktober spontan zum offroad fahren ins Grenzgebiet von Italien und Frankreich. Klicken sie hier um die Route in Googles Erde zu betrachten oder hier um die Karte in einem neuen Tab zu öffnen.
Da mir der Wichtigtuer an der Grenze, neuerdings in Blau, bei der Ausreise aus Deutschland und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt jedoch nicht glauben wollte, musste ich mal wieder mein Gepäck öffnen
Es wird wirklich Zeit dass die Schweiz ebenfalls dem schengener Abkommen beitritt, damit derlei Belästigungen seitens der deutschen Behörden in Zukunft ein Ende haben.
Am nächsten Tag winkten mich die Zöllner bei der Einreise nach Italien trotz Sturmhaube problemlos durch.
Ich fuhr an Locarno vorbei nach Torino. Hier verfuhr ich mich und war froh, diese Grossstadt endlich über die nächst beste, mautpflichtige Autobahn verlassen zu können.
Am nächsten Tag führte mich eine schmale Asphaltstrasse, die vom 1. November bis Ende Mai gesperrt ist, hinauf zum Fort Serre Marie.
Ich bog jedoch rechts ab und fuhr hinauf zum 2178 m hohen Colle delle Finestre, der ebenfalls im Winter von Anfang November bis Ende Mai gesperrt ist.
Der Weg hinunter nach Champo war zunächst geschottert, die letzten ca. 20 direkt hintereinander folgenden Windungen des Passes waren asphaltiert, jedoch dick mit Laub bedeckt.
Ich tankte in Susa und fuhr weiter nach Eclause und Monceilier. Von hier aus führ eine sehr schöne, leicht zu fahrende Schotterstrasse vorbei an Fort Pramand über den 2596 m hohen Col Basset weiter 2.805 m hinauf zum Mont Jafferau.
Unterwegs bietet diese ca 40 Kilometer lange Strecke verschiedene Höhepunkte wie beispielsweise Rouinen, einen sehr schönen Ausblick ins Tal so wie einige interessante, unbeleuchtete Tunel.
Vor der Einfahrt in einen solchen kurvigen Tunnel sollte man vor allem im Sommer besser hupen. Es gibt keine Möglichkeit eventuellem Gegenverkehr aus zu weichen.
Von einem runden Blech mit rotem Rand das wie ausversehen am Wegrand bei Pramand lag, liess ich mich nicht aufhalten. Ich genoss die schöne Gegend und das kalte aber sonnige Wetter.
Unterwegs begegnete ich keiner Menschenseele. Lediglich einige Gemse kreuzten meinen Weg, um in der Rouine auf Mount Jafferau zu verschwinden.
Da ausserdem dichter Nebel mit einer Sichtweite von nur wenigen Metern aufzog, fuhr ich zurück zum Col Basette und von dort aus einen sehr steilen, holperigen Weg der jedoch nicht gesperrt ist vorbei an einigen Almhütten und einer Schafherde hinunter nach Jafferau, la Roche und weiter nach Oulx.
Nachdem ich lecker gegessen hatte, fuhr ich über Bardonecchia nach Rochemolles. Hier übernachtete ich in einem leerstehenden Wohnwagen.
Am nächsten Morgen überlegte ich, mein Zelt so wie meine beiden Schlafsäcke und weitere Dinge im Wohnwagen zu lassen, um auf dem Weg zum Mont Sommeiller Gewicht zu sparen.
Ich entschied mich jedoch dagegen, um notfalls auf dem mit 3009 m bis Juni 2007 höchten legal zu befahrenen Pass der Alpen übernachten zu können, falls mein Motorrad aus welchem Grund auch immer so stark beschädigt werden sollte, dass ich es trotz meiner im Gepäck vorhandenen Werkzeuge nicht sofort reparieren kann.
(Seit Juni 2007 ist übrigens die Bergstation des Bontadini Liftes der höchte anfahrbare Punkt der Alpen.)
All meine Vorsichtsmassnahmen stellten sich jedoch zum Glück als unnötig heraus.
Ich passierte zunächst einen Staudamm, dann die Baumgrenze und schliesslich die offene Schranke, die im Gegensatz zur Absperrung am Assietta Kammweg eher symbolischen Charakter hat, da ihr Standpunkt strategisch nicht so gut gewählt ist da sie leicht umfahren werden kann, und weiter ging es.
Je höher ich kam des do kälter wurde es. Das hatte jedoch den Vorteil, dass der Matsch in den Kurven ab einer bestimmten Stelle nicht mehr rutschig sondern gefroren war und so ordentlich Grip für die Reifen bot.
Langsam kam ich in die Wolken und es wurde eisig kalt. Schliesslich erreichte ich die Hochebene vor der Auffahrt zum eigentlichen Gipfel. Hier rissen die Wolken auf und lagen wie dicke Watte unter mir.
Mich empfing blauer Himmel und strahelender Sonnenschein. Auf den Felsen am Wegrand glitzerte der Rauhreif.
In meinen schwarzen Klamotten wurde mir schnell wieder warm, was aber vielleicht auch daran lag, dass der Weg anspruchsvoller wurde und mehr fahrerischen Einsatz verlangte.
Auf der Rückfahrt schien überall die Sonne. Die Nacht verbrachte ich erneut in "meinem" Wohnwagen.
Am Nächsten Morgen tankte ich und fuhr weiter nach Embrun in Frankreich. Von Embrun aus führt eine kleine Asphaltstrasse nach Crévoux und weiter nach La Chalp.
In diesem schmalen Tunnel tropft das Wasser von der Decke, weshalb es auf dem Boden sehr matschig und rutschig ist.
Hier traf ich auf zwei Italiener die mir ihren BMW Motorrädern unterwegs waren. Während der eine mit seiner HP2 kein Problem hatte, hatte der Andere gerade sein neues GS 1200 Schiff im Tunnel gelegt.
Hier muss man wissen dass man Richtung Jausiers nach rechts auf die D900 abbiegen muss, da es kein Schild gibt.
Jausiers liegt am Fusse des Col de Bonette, dem mit 2802 m höchsten asphaltierten Pass in den Alpen, dessen GPS Koordinaten den Tank des Nachfolgermodells der Honda Transalp zieren.
Der Asphalt der D64 war in sehr gutem Zustand, so dass ich es nach der vielen Schotterfahrt endlich wieder einmal richtig krachen lassen konnte.
Bei recht warmem Wetter näherte ich mich im Tiefflug dem Gipfel, der jedoch ausser schwarzer Erde so wie einigen alten Ruinen, Bunkern und Militäranlagen wenig zu bieten hat.
Am Abend erhielt ich in Jausiers von einem Handwerker der gerade Feierabend machte die Erlaubnis, zwischen vielen architektonisch sehr schönen Einfamilienhäuschen Regengeschützt in einem Rohbau campieren zu dürfen.
Obwohl es tagsüber recht warm war, wurde es nachts erstaunlich kalt. Als ich am nächsten Morgen tanken fahren wollte, war meine Sitzbank mit Rauhreif überzogen.
Tanken ist in Frankreich vor allem an Sonntagen ein Problem, da die meisten Tankstellen geschlossen sind und die Tankautomaten im Gegensatz zu denen in Italien oder der Schweiz keine 10 Euro Scheine sondern lediglich Kartenzahlung akzeptieren.
So war ich wieder einmal auf einen freundlichen Menschen angewiesen, der mir gegen Bargeld freundlicherweise seine Karte lieh und für mich den französischsprachigen Automat bediente.
Anschliessend drehte ich erneut eine Runde über den Col de Bonette bevor ich mich wieder auf den Rückweg machte und erneut die schöne Schotterstrecke hinauf zum Col de Parpaillon fuhr.
Diesmal traf ich da oben ein junges Paar das dort in seinem Nissan Patrol übernachtet hat. Die beiden boten mir heissen Instandcaffee an und erzählten mir dass sie vor einigen Jahren ebenfalls mit Motorrädern unterwegs waren.
Einige Meter unterhalb des Tunnels traf ich plötzlich auf eine ganze Gruppe die mit 3 Quads und zwei Trailmotorrädern im gesperrten Gelände unterwegs waren.
Ich schloss mich ihnen eine Weile an, um mit der Kamera die ich mit Hilfe eines kleinen Stativs an meinem linken Spiegel befestigt hatte, zu filmen.
Plötzlich ging der einen Fahrerin des Trailmotorrades der Sprit aus. Die etwa 40 Kilometer lange Strecke war dann wohl doch zu weit gewesen.
Leider hatten die Leute keinen Schlauch etc. dabei um Sprit aus meinem Tank umfüllen zu können, aber zum Glück ging es bis La Chalp ja fast nur bergab.
Hier beginnt oder endet der schöne, geschotterte Assietta Kammweg der über die Gipfel des 2424 Meter hohen Col Basset,
Auf der PKW tauglichen Strada dell' Assietta war heute am letzten Sonntag bevor sie im November über den Winter gesperrt wird einiges an Verkehr.
Hier traf ich nicht nur eine ganze Familie die mir zwei KTM Motorrädern und einem Quad unterwegs waren, sondern mir kamen auch diverse PKW angefangen vom Fiat Panda bis hin zur Mercedes M Klasse entgegen.
Überhaupt ist die Assietta Kammstrasse ein Paradies für Geländefahrer aller Art. Immer wieder sieht man schmale, steile Wege hinauf zu weiteren Gipfeln, für die mein beladenes Motorrad viel zu schwer war.
Da es langsam spät wurde und ich nach der doch recht anstrengenden Strecke müde war fuhr ich erneut zum Fort Serre Marie wo ich mein Zelt aufschlug.
Am nächsten Morgen weckte mich strahlender Sonnenschein während unter mir eine dicke Wolkendecke lag. Reinhard Mey hat schon recht wenn er singt dass über den Wolken die Freiheit grenzenlos ist ;)
Leider hatte ich nicht die Freiheit am Morgen Zähne putzen zu können. Meine Wasserflasche enthielt nur einen Klumpen Eis.
Gut gelaunt packte ich meine Sachen zusammen um erneut die Strada dell' Assietta mit Blick auf die Wolken unter mir zu fahren.
Unten im Tal regnete es, und es hörte nicht mehr auf zu regnen bis ich gegen Abend Locarno erreichte.
Am nächsten Morgen wurde der Regen zu Schnee als ich über den Sankt Bernadinopass fuhr, da sowohl der Grimmsel als auch der Furkapass gesperrt waren.
Wie man sieht, hatte ich also nicht nur Glück gehabt dass mein Motorrad dem harten Offroadeinsatz standgehalten und lediglich eine Schraube am Kofferträger gebrochen ist, sondern auch dass das Wetter so lange mitgespielt hat.




















































