
Mit dem Motorrad nach Marokko

Nachdem ich lange Zeit vergeblich nach einem Reisepartner für eine Motorradreise nach Afrika genauer gesagt in die Wüste Marokkos gesucht hatte, erfuhr ich mehr durch Zufall daß die Transalpfreunde aus Stuttgart gerade eine solche Reise planten.
Kurz entschlossen nahm ich Kontakt auf, um die Gruppe nach ihrer Ankunft in Marokko zu treffen und mich ihr an zu schließen.
Bis dahin hatte ich jedoch noch einige Tage Zeit. Telefonisch buchte ich im deutschsprachigen Reisebüro
Sahara Wings kurzfristig die notwendigen
Fährtickets, und fuhr zunächst in die Schweiz.
Am nächsten Tag fuhr ich abseits der Autobahnen und vorbei an einigen Laser Geschwindigkeitskontrollen nach Frankreich.
Beim Verlassen eines Kreisverkehrs in der Nähe von Montpillier, rutschte mir wegen ausgelaufenem Dieselkraftstoff auf der Fahrbahn plötzlich mein Vorderrad weg. Reflexartig gelang es mir, die Maschine ab zu fangen und einen Sturz zu vermeiden. Aus meiner eleganten Kurve wurde jedoch nichts mehr. Ich verließ den Kreisverkehr in gerader Richtung, und landete im Grünen. Anschließend fuhr ich weiter nach Sete.
Dort kampierte ich einige Tage direkt am Strand, während ich auf meine Fähre nach Marokko wartete.
Das Wetter war super, die Spaziergänger um mich herum waren freundlich, das Wasser kühl und ich froh meine Sonnencreme dabei zu haben.
Nun kümmerte ich mich auch um meine H4 Scheinwerferbirne, die inzwischen ihren Dienst quittiert hatte.
Am 6. Mai 2006 checkte ich pünktlich auf der Comarit Fähre Biladi ein. Dabei lernte ich einige
Franzosen kennen, die mit ihren Motorrädern auf dem Weg nach Fes wahren.
Nachdem endlich alle Fahrzeuge verladen waren und wir unser im Ticketpreis enthaltene Essen erhalten hatten, warteten wird weitere 6 Stunden darauf daß die Fähre betankt wurde, bevor unsere 36 Stunden dauernde Überfahrt nach Marokko begann.
Auf der Fähre Biladi gilt die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) plus eine Stunde. Marokko liegt zeitlich zwei Stunden hinter Deutschland.
Am nächsten Tag wechselte ich auf der Fähre Geld, füllte die Zolldokumente für mein Motorrad in französischer und arabischer Sprache mit Hilfe anderer Passagiere aus und erhielt von einem unfreundlichen Beamten meinen Einreisestempel in den Reisepass. Ein Visum war nicht notwendig. Ein Carnet de Passages auch nicht.
Kaum hatte ich nach unserer verspäteten Ankunft in Tanger, der 7. größten Stadt Marokkos, den
Zoll an dem das eingeführte Fahrzeug registriert wird und an dem man für 55.- Euro eine 10 Tage gültige,
obligatorische Fahrzeugversicherung erwerben kann passiert, da stürzten sich auch schon die ersten Leute auf
mich und versuchten, mir etwas zu verkaufen oder mich auf Französisch zu irgend einem Hotel oder zum Markt zu
leiten.
Als mich dann wenige Meter weiter auf einer geraden, vierspuhrigen Straße mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von nur 30 km/h auch noch einige schlecht versteckte Polizisten mit ihrer Laserpistole erfaßten, sehnte ich mich nach diesem Kulturschock der Abzocker nach etwas Ruhe.
In einem nahe gelegenen Comarit Büro wies mir eine freundliche Damen auf Englisch den Weg zum
Campingplatz Miramonte (GPS N35°47.493 W05°49.961) in dem ich etwas entspannen konnte, nachdem das schwere Metalltor am Eingang, daß ein
Pförtner für mich öffnete, krachend hinter mir ins Schloß fiel.
Dieser saubere Campingplatz wird von einem Deutschen geleitet, auch wenn die Toiletten nicht danach aussehen. Er liegt nah am Meer, und ist üppig mit Palmen und anderen Pflanzen bewachsen. Früh am Morgen wird man hier geweckt, wenn der Imam einer nahe gelegenen Moschee übers Megaphone zum Gebet ruft. Dieses tut er mehrmals täglich.
Hier lernte ich einen freundlichen Deutschen kennen, der Marokko mit seinem Hund im VW Fox bereist. Er sprach im Gegensatz zu mir Französisch, und zeigte mir die Umgebung und den Umgang mit den aufdringlichen Einheimischen. Dabei erstaunte mich, wie oft Händler nicht in der Lage waren, relativ kleine Geldbeträge zu wechseln.
Da ich viel Zeit hatte, ließ ich mein Gepäck im Campingplatz und erkundigte mit dem Motorrad einige einsame, kleine aber wunderschöne nicht asphaltierte Wege rund um Tanger.
Am 10. Mai kamen meine Motorradkollegen 12 Stunden zu spät mit der Comonav Fähre in Marokko an, nachdem unter Anderem jemand von Bord gesprungen, und so ein Wendemanöver erzwungen hat.
Da es inzwischen Abend war, campten wir gemeinsam im Miramonte und gingen gut Essen.
Dabei versuchte uns jemand ganz offen, "Good Hash" zu verkaufen.
Am nächsten Tag versuchte der marokkanische Kassierer des Campingplatzes vergeblich, zu den vorher ausgehandelten Gebühren plötzlich noch eine Steuer ab zu rechnen, bevor wir gemeinsam aufbrachen.
Schon nach wenigen Kilometern trennten wir uns wieder und ich fuhr allein weiter, da ich gerne immer wieder Zwischenstopps einlegen wollte um Fotos zu machen.
Nachdem ich in der Nähe von Megnes von heftig böigem Seitenwind und einem Hagelschauer überrascht wurde,
verbrachte ich die Nacht mangels eines Campingplatzes in der Gegend ungestört hinter einer Hecke in einer Obstplantage, bevor ich am nächsten Tag vorbei an
einigen Nomadenzelten über den 2175 Meter hohen und von vielen herrenlosen Hunden bewohnten Atlas Pass nach Errachidia fuhr.
Ab hier herrschte trockenes und sehr heißes Wüstenklima. Nachdem ich mich an einem Brunnen erfrischt und meine Wasservorräte
wieder aufgefüllt hatte, fuhr ich vorbei an riesigen, stark bewässerten Dattelplantagen weiter nach Erfoud.
An den vielen Polizeikontrollen wurde ich als Tourist immer freundlich durch gewunken. Einheimische dagegen mußten ihre überladenen Fahrzeuge zur Kontrolle des Inhaltes recht häufig am Straßenrand entladen.
Apropo Einheimische: Gelegentlich kam es vor, daß Kinder Wegzeichen unleserlich machten und
einem den falschen Weg weisen, wenn man ihnen keine Bonbons oder Kugelschreiber gab.
Von Erfoud aus versuchte ich die direkte Piste entlang des Erg Chebbi, den großen Dünen, nach Merzouga zu fahren.
Nachdem ich mich als Greenhorn alleine und ohne GPS auf der schier endlos weiten Fläche jedoch fast verirrt, und meine Transalp einige Male festgefahren und hingelegt habe, wobei meine soliden Seitenkoffer Schaden an Mensch und Maschine verhinderten, gab ich mein Vorhaben auf, und fuhr auf einer Asphaltstraße durch atemberaubende Wüstenlandschaft, vorbei an vielen Dünen nach Merzouga.
Merzouga, das Ziel meiner Reise, besteht fast nur aus einstöckigen "Hotels" und "Campingplätzen", also freien Flächen (GPS N31°05.080 W04°00.490).
Kaum wurde ich gesichtet, da rannten auch schon viele Berber auf mich zu, und versuchten mich zu ihrem "Hotel" zu leiten oder wenigstens zum Kamelreiten auf ihrem Dromedar zu überreden.
Es gelang mir jedoch, die Menschenmenge zu durchbrechen, und weiter bis zum letzten Campingplatz direkt vor einer ca. 150 Meter hohen Düne zu fahren.
Kurz vor dem Ziel grub sich meine Honda XL 600 dann erneut im weichen Sand ein und mußte unter den neugierigen Blicken zahlreicher Einwohner komplett abgeladen werden, um sie wieder flott zu bekommen.
Auf meiner Reise ins unbekannte Land hatte ich einfach zu viel Zeug mitgenommen. Zwar wiegen die
wegen der Hitze nicht benötigte Motorradjacke und der
Motorradhelm
auf dem Topcase nicht viel, aber dafür sind
der nicht benötigte Ersatzreifen, das vorsorglich mitgenommene Werkzeug und einige Liter Trinkwasser in den Seitenkoffern um so schwerer.
Wegen der Hitze campierte ich hier im der Wüste vor dem einstöckigen Hotel Desert einer Berberfamilie, inklusive Benutzung der erfrischend kalte Dusche, die hier wie überall in Marokko "hot shower" hieß. Das Wasser dafür wurde von einem Motor mit nur ca. 240 Umdrehungen pro Minute aus einem Brunnen gepumpt.
Meine Sachen schloss ich in einem Gästezimmer ein, und mein Motorrad parkte ich in einem eingezäunten Hof, bevor ich die große Düne zu Fuß bestieg um Fotos zu machen. Gegen Abend stieg ein englisch sprechender Spanier im gleichen "Hotel" ab. Er hatte neben seiner F650 samt Motorradklamotten, einem GPS Navi und einem Laptop fast nichts dabei und wollte am nächsten Tag versuchen, ohne Visum durch die Dünen der Sahara über die seit Jahren geschlossene Grenze nach Algerien zu fahren.
Zuvor rauchte er jedoch noch einen Joint und brannte mir eine Komplettsicherung meiner bisher gemachten
Digitalbilder auf CD. Unsere Gastgeber rauchten mit, und staunten über so viel Technik und über meine
in der Schweiz gemachten Fotos von Bergen mit Schnee.
Am nächsten Vormittag versuchte ich erneut, bevor es richtig heiß wurde im Sand Motorrad zu fahren, merkte jedoch daß die leichten Mofas der Einheimischen meiner schweren Maschine in dieser Disziplin weit überlegen waren.
Während ich meine Transalp immer wieder ausgraben mußte, versuchten Kinder die wie aus dem Nichts auftauchten vergeblich mir Fossilien zu verkaufen.
Mit frisch gepresstem Orangensaft, den es sonst überall gibt, hätten sie sicher mehr Erfolg gehabt.
Eben so wenig Erfolg hatte ein Einheimischer, der mein Motorrad unbedingt gegen eines seiner Kamele tauschen wollte.
Zurück im Camp genoß ich eine kühle Dusche, als ich plötzlich den vertrauten Sound schwerer sich eingrabender Motorräder hörte.
Zu meiner Überraschung waren die Transalpfreunde gerade im Hotel nebenan abgestiegen,
Trotzdem hat er anscheinend viel Spaß in den Dünen gehabt.
Nachdem ich am nächsten Tag den Sonnenaufgang von einer Düne aus betrachtet, und dabei einen plötzlich wie
aus dem Nichts
auftauchenden Fossilienhändler ignoriert habe, packte ich meine Sachen und fuhr durch die Steppe zur inzwischen asphaltierten Todraschlucht.
Da dort die Touristen jedoch Busladungsweise herum liefen und in Ait Hani viele Kinder ihre Finger nicht von meinem Motorrad lassen wollten, blieb ich nicht lange sondern reiste weiter über Erfoud nach Midelt.
Dort sah ich das erste Mal Frauen, die trotz der Hitze komplett im schwarzen Kaftan eingehüllt herum liefen. Als ich anhielt und ein Foto zu machen, fingen sie an zu schimpfen, weshalb ich auf das Foto verzichtete.
Etwas später passte ein Tankwart beim Tanken nicht auf, und übergoß mein heißes Motorrad mit
einigen Litern des überall verfügbaren Super Sprits, zum Glück jedoch ohne nennenswerte Folgen.
Als ich einige Kilometer weiter Hunger hatte, hielt ich an einem Restaurant und bestellte das Nationalgericht Tajine (Taschim), bestehend aus zu scharf gewürzten Kartoffeln, Möhren, Erbsen und Tomaten mit etwas knochigem Fleisch in der Mitte.
Während dem Essen quatschte mich der Wirt voll, und versuchte mir einen riesigen Teppich zu verkaufen oder mich wenigstens dazu zu drängen, in seinem Hotel zu übernachten.
Ich hatte mich inzwischen ganz gut an das Verhalten der Leute hier gewöhnt, fuhr ohne Teppich weiter und begann mein Zelt bei Dunkelheit im Licht meines Scheinwerfers auf einer Wiese etwas abseits der aufdringlichen Leute hinter einigen Büschen auf zu schlagen. Als ich die hinteren Zeltstangen befestigen wollte, stand ich plötzlich bis zum Bauch im Wasser. Egal, ich wollte meine Motorradklamotten zum Schlafen wegen der harten Protektoren ja sowiso gerade ablegen.
Daß, was bei Nacht im trüben Licht meines Scheinwerfers wie eine große Wiese ausgesehen hatte, entpuppte sich am nächsten Morgen als ein stark
mit Pflanzen bewachsener See. Gut daß ich mit meinem Motorrad in der Dunkelheit nicht noch einige Meter weiter
gefahren bin...
Am nächsten Tag hatte ich Magenbeschwerden, die ich weniger auf mein unfreiwilliges Bad als auf das scharf gewürzte Tajine und den dazu gereichten Salat zurück führte. Ich packte mein Zelt ein, und fuhr mit nassen Schuhen langsam an vielen Keramikständen vorbei wieder nach Tanger.
Im Campingplatz Miramonte parkte ich meine Honda XL 600, und ging im Meer Schwimmen. Am nächsten Tag wechselte ich meine restlichen Dirham, deren Ausfuhr aus Marokko verboten ist, bestieg die Fähre und legte mit 1,5 Stunden Verspätung ab in Richtung Europa.
Auf der Fähre lernte ich einige Italiener von
Transalp.it so wie einen Holländer und einen Polen kennen.
Nette Leute, die alle Englisch sprachen, und ebenfalls in Marokko unterwegs waren.
Nach unserer verspäteten Ankunft in Sete, startete ich sofort Richtung Schweiz; wurde jedoch schon bald durch heftigen Regen dazu gezwungen zu übernachten, um nicht komplett durchnäßt zu werden.
Am nächsten Tag wollte ich über Martigue, dem Grimselpass und dem Brünigpass nach Lungern fahren.
Obwohl wird jedoch schon fast Juni hatten, war der Grimselpass wegen Schnee geschlossen. Der Brünigpass befand sich anschließend entgegen der Aussage einiger Schilder im absolut trockenem und schneefreiem Zustand siehe hier.
Ich erreichte Giswil noch am selben Tag und fuhr am nächsten Tag weiter nach Stuttgart, wo ich meine erlebnissreiche, knapp dreiwöchige und 4500 Kilometer lange Reise ohne technische Probleme beendete.











































